Seminar „Kundiger Schwarzwildjäger“ des VJN/BDJV

Von Sibylle Erbut

Für die Ausbildung zum Revierhegemeister, die der Bund Deutscher Jagdaufseherverbände BDJV ins Leben gerufen hat, hat das erste Seminar der Modulreihe für die Ausbildung stattgefunden: Im Seminar „Kundiger Schwarzwildjäger“ ließen sich ca. 130 Jägerinnen und Jäger in Theorie und Praxis aus-/fortbilden – ein Beweis dafür, dass Jäger mitnichten fortbildungsfaul sind! Die Ausbildung fand an drei Tagen mit jeweils ca. 45 Personen auf dem Schießstand Celler-Land in Scheuen statt und wurde vom Verband der Jagdaufseher Niedersachsen VJN konzipiert. Der Referent für das Schießwesen im VJN, Dieter Erbut, hat als Seminarleiter zusammen mit Horst Zahn, stellv. Bildungsreferent im VJN, und vielen weiteren Helfern auf dem Schießstand ein umfassendes Trainingsprogramm ausgearbeitet:

Dabei ging es darum, auf insgesamt vier Stationen zu agieren: Schießkino – Ansprechen und Schießen, Laufender Keiler – Schießen auf 35 m, Schnelles Schießen mit Flintenlaufgeschossen, Einsatz der Kurzwaffe unter Stress und schließlich das weidgerechte Abfangen mit blanken Waffen. Zusätzlich wurde beim 2. und 3. Seminar eine extra Schulung für die Kurzwaffenhandhabung vorgenommen, für die Teilnehmer, die noch wenig Übung im Kurzwaffenschießen hatten. Im 1. Seminar hatte sich gezeigt, dass u.a. viele Versager bei den Pistolen an der mangelnden Pflege (Öl!!) lagen, und bei den Revolverschützen die Handhabung verbesserungsbedürftig (schnelles Nachladen) war.

Schon im vorher durchgeführten Theorieteil wurden die Teilnehmer auf die besonderen Umstände auf einer Drückjagd hingewiesen, das „richtigeVerhalten“ auf dem Drückjagdstand, Ansprechen, Schussdisziplin, Hundeeinsatz, Verhalten nach dem Schuss. Ein ausführliches Thema ist für Dieter Erbut immer wieder die „richtige“ Bewaffnung: dabei geht es nicht nur um die Drückjagdbüchse, sondern auch ganz besonders um die Kurzwaffe und die blanken Waffen. Selbst langjähriger Hundeführer, konnte der Referent gut „rüberbringen“, worauf es ankommt: ein Abfangmesser muss immer eine bestimmte Mindestgröße haben und die Kurzwaffe darf nicht zu klein sein, wenn sie Schutz bieten soll, und für den Fangschuss geeignet sein soll. Dazu stellte er ein umfangreiches Sortiment an Waffen vor und erläuterte die Handhabung ausführlich. Besonders das Abfangen von verletztem Wild – sowohl auf der Jagd als auch beim Verkehrsunfall – wurde besprochen (und später am Schweineviertel praktisch geübt), weil dies ein hochsensibler Bereich in Bezug auf den Tierschutz, gerade bei Verkehrsunfällen, ist. Zum Einsatz der Kurzwaffe konnte ein Teilnehmer schon im Theorieteil eindrucksvoll demonstrieren, welche Waffe im Notfall am schnellsten einsatzbereit ist: er wurde kriechend unter einem Tisch durchgeschickt – voll ausgerüstet mit Langwaffe, Abfangmesser und Kurzwaffe – und jeder konnte deutlich sehen, dass in liegender Position (z.B. im Dickicht vor einer angreifenden Sau) nur die Kurzwaffe schnell gezogen ist!

In der Praxis auf dem Schießstand wurden genau diese Situationen aus der jagdlichen täglichen Arbeit simuliert. Das Abfangen wurde für viele jagdliche Situationen geübt, auch die Arbeit mit der Saufeder. Natürlich konnte auch jeder Teilnehmer sein eigenes Messer ausprobieren. Oftmals stellte sich dabei heraus, dass es nicht geeignet war, das Herz zu treffen. Zusätzlich wurden viele weitere Stiche geübt und die Wirksamkeit besprochen (Abnicken etc.), denn jede Abfang-Situation ist anders, und nicht immer ist ein Stich hinter das Blatt bis ins Herz möglich.

Für das Kurzwaffenschießen hatten sich die Ausrichter etwas Besonderes einfallen lassen, nämlich das Schießen unter körperlicher Belastung und Stress – also eine jagdliche Normalsituation, z.B. bei der Nachsuche oder wenn Hunde am Wild sind. Hier musste der Teilnehmer einen Dauerlauf im Sand der Schießbahn machen, anschließend seine Kurzwaffe laden, danach durch einen Tarnnetz-Tunnel kriechen (parallel dazu ertönten laute Grunzgeräusche vom Schwarzwild – die manchen Teilnehmer totenstill verharren ließen! – Horst Zahn fungierte dabei wunderbar als „gereizter Keiler“) und schließlich mussten mehrere Schüsse auf einen Keilerkopf angebracht werden. Danach war die simulierte Hektik aber noch nicht vorbei: Schwarzwild, das jetzt flüchten würde, müsste erneut beschossen werden, daher die nächste Station: hinlaufen, nachladen und nochmals auf ca. 10 Meter durch ein Loch in einem flatternden Vorhang zwei Sauenscheiben beschießen! Für fast alle Teilnehmer war dies eine noch nie abgeleistete Übung auf dem Schießstand und alle waren begeistert – selbst der Dauerregen am Sonntag konnte die Passion nicht schmälern, auch dies schließlich in unseren Breiten „jagdnah“.

Wir werden dies erfolgreiche Seminar wiederholen, eine neue Anmeldeliste wird schon geführt, Interessenten melden sich in der Geschäftsstelle des VJN, Birkenheide 30, 27711 OHZ, Tel. 04795-956088, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. .

Zum Schluss möchten wir nicht versäumen, uns bei allen „Funktionern“ der Seminartage herzlich zu bedanken (die meisten sind VJN-Mitglieder), die ihre Freizeit für die gute Sache nicht nur an 2 Samstagen sondern auch noch am Sonntag geopfert haben und unserem VJN damit zu bestem Ansehen verholfen haben:

Horst und Heike Zahn, Burkhard Buhr, Daniel Aebker, Mario und Katja v. Bardeleben, Carsten Evermann , Dieter Beining, Rolf Majehrke vom Schießstand Celler-Land sowie
Dieter, Axel und Sibylle Erbut.

Ein weiterer Dank geht an den Niedersächsischen Jäger, der unser Seminar frühzeitig in der Zeitung vorgestellt hatte, so dass auch viele Nichtmitglieder von der Veranstaltung erfahren haben und so die Möglichkeit erhielten, ebenfalls daran teilzunehmen – immerhin ca. 60 Teilnehmer, die – bisher – nicht Mitglied in unseren Verbänden sind.

Ein Bericht über das Seminar findet sich auch in der Ausgabe Nr. 5/2011 der DJZ: Titel:
„Mit der Lanze ins Leben“.