Bemerkungen zum Einschießen
Jede Jagdausübung oder Schießen auf dem Schießstand hat gar keinen Zweck, wenn die Waffe nicht perfekt eingeschossen wird, sondern nach der Jagdpause einfach ohne weitere Kontrolle aus dem Schrank genommen wird.
Obwohl seit April alle Jagdzeitungen über das Einschießen berichtet haben, möchte ich an dieser Stelle noch einmal meine wichtigsten Tipps geben:
- Nehmt zuhause ein Blatt Papier, legt es um den Lauf und zieht dieses Blatt zwischen Lauf und Schaft durch: es muss ohne Widerstand bis zum Laufende durchgleiten. Nur so weiß man, dass der Lauf frei schwingen kann. Falls das nicht der Fall ist, muss man untersuchen, woran das liegt, evtl. den Schaft etwas freikratzen, wenn das nicht reicht, mit einem Büchsenmacher reden.
- Überprüft die Montage des Zielfernrohres, putzt die Gläser sorgfältig.
- Reinigt die Waffe gründlich, alles muss sauber entölt sein, den Lauf sorgfältig reinigen und entölen, auch das Patronenlager! Dazu z.B. einen dicken Pfropfen Haushaltspapier hineinstopfen und drehen, wenn man nicht anderes hat (wieder rausziehen nicht vergessen!).
- Nur die Munition zum Einschießen verwenden, mit der auch auf der Jagd geschossen wird – nichts anderes (wie etwa „Übungsmunition“ o.ä., weil billiger!). Jede Munition schießt anders, manchmal muss man auch länger ausprobieren, welche für die Waffe optimal ist.
Erst jetzt geht man zum Schießstand.
- Auf dem Stand wählt man eine hervorragende Unterlage, auf der das Gewehr weich gebettet liegt, so dass kein Prellschlag entstehen kann. Der Lauf darf nirgends aufliegen. Das Gewehr muss – wenn es losgelassen wird – so liegenbleiben, dass die Optik genau auf das Ziel ausgerichtet ist und bleibt.
- Nicht auf Lauf oder Optik fassen, man soll mit der freien Hand höchstens am Kolben anfassen oder den Schaft unterstützen. Ich bin allerdings der Ansicht: wenn jemand es vom Hochsitz gewohnt ist, mit zarter Hand leicht auf die Optik zu drücken, wird er auch keine Fehlschüsse haben, der Lauf kann immer noch frei schwingen.
- Nun werden mit sorgfältigem Zielen und äußerster Ruhe min. 3 (besser 5) Schüsse immer auf den gleichen Haltepunkt der Scheibe gemacht – ohne die Scheibe heranzuholen, nur aufs Schießen konzentrieren. Dann erst die Scheibe heranholen, nach der Beurteilung der Schussgruppe eventuell das Glas korrigieren (dahin drehen, wohin der Schuss gehen soll, 1 Klick ist bei den meisten Gläsern 1 cm)
- Unsere Büchsen sollen mit ca. 4 cm Hochschuss eingeschossen werden, das entspricht der GEE (Günstigste EinschußEntfernung). Damit ist gewährleistet, dass man auch auf der Drückjagd bei 35 – 50 m fleck schießt, ebenfalls bei sehr großer Entfernung (ca. 170m).
- Wer ein variables Glas hat, sollte unbedingt zum Schluss einen Probeschuss mit kleinster Vergrößerung machen, der Haltepunkt kann sich ändern. Drückjagdvisiere kann man nicht einfach austauschen, sie müssen in der gleichen Prozedur eingeschossen werden. Rotpunktvisiere ohne Vergrößerung: unbedingt auf 50-70 m fleck einschießen.
- Zwischen den Schüssen unbedingt den Lauf immer ausreichend abkühlen lassen, Einschießen braucht Geduld und Zeit – trotzdem sollte man es unbedingt für seine eigene Waffe selbst machen, weil jeder Mensch „anders guckt“ (Brillenträger, Kontaktlinsen, altes Auge-junges Auge).
Letzter Tipp: immer einen Kontrollschuss machen, wenn man irgendwo angestoßen ist, im Auto, auf dem Hochsitz etc., sowie bei Wechsel der Munition.
Dieter Erbut, Ref. f. Schiesswesen,VJN
